Begegnungen…

Die letzte Woche war ich in Deutschland unterwegs. Familie, Freunde, Entscheidungen treffen. Heute dann der Heimweg. Es ist immer eine lange Fahrt von Deutschland nach Österreich, die ich meist alleine in Begleitung von Hörbüchern absolviere.

Doch heute war etwas anders. Nach einem langen Stau drängte mich ein persönliches Bedürfnis dazu, an der nächsten Raststätte anzuhalten, dem Bedürfnis Genüge zu tun und mir noch meinen geliebten Grüntee und eine Apfeltasche zur Stärkung zu gönnen. Auf dem Weg zu dem stillen Örtchen sah ich auf der Ausfahrt einen Mann stehen. Bekleidet mit einem Hut, Rucksack, Wanderstock. „Wo der wohl hinwill? Vielleicht nehme ich ihn mit!“ schoss es mir durch den Kopf. Als ich zurückkam, stand er immer noch da. Ich winkte ihm und fragte: „Wo wollen Sie hin?“ „In den Süden“…klang es zurück. „Da will ich auch hin. Ich mach nur kurz Pause.“ Er lächelte und kam mit einem dankbaren Lächeln auf mich zu. Geruhsam verspeiste ich meine Apfeltasche, während wir klärten, wo er hinwollte. Linz? Super…liegt auf dem Weg. „Haben Sie schon etwas gegessen?“ fragte ich. „Nein, ich stehe hier schon seit 10 Uhr.“ Na sowas. Das geht ja gar nicht. Also ermunterte ich ihn, sich eben etwas zu holen, drückte ihm fünf Euro in die Hand und genoss die Sonne, meinen Tee und meine Apfeltasche. Kurze Zeit später war er mit einer Laugenbrezel zurück und gemeinsam ließen wir die Pause ausklingen. Anschließend verstauten wir seinen Rucksack samt Pilgerstab im Auto und starteten. Die darauffolgenden Stunden vergingen wie im Fluge, wir unterhielten uns prächtig, er erzählte von seinem Ausstieg, von seiner Wanderung auf dem Camino, von seinen Erfahrungen. Ebenso erinnerte ich mich in alle möglichen Geschichten, die ich besonders im Lauf der letzten fünf Jahre erlebt hatte und stellte fest, wie bereichernd es ist, Menschen spontan kennenzulernen und sich auszutauschen.

Diese Begegnung war für mich wieder ein Wink mit dem berühmten Zaunpfahl. Hier – auf einer Raststätte – begegnete ich einem Menschen, der weise und gelassen durch sein Leben geht, voller Vertrauen und erfüllt von einer genügsamen Zufriedenheit, dass mir ganz anders wird. Ohne Stress, bescheiden, dankbar. Und dies brachte mich zurück zu MEINEM Vertrauen. In das Leben, in die Freiheit der Entscheidung, in die unendliche Vielfalt des bunten Daseins, welches uns umgibt. Einfach nur Augen auf und annehmen was kommt. Ja, natürlich gingen mir auch Gedanken durch den Kopf wie: „was würde deine Familie dazu sagen, wenn du einfach jemanden Unbekannten mitnimmst?“ oder „Bist du nicht ein wenig blauäugig?“.

Nein…genauso soll es sein. Augen auf, vertrauen, lernen. Es  gibt so viel Wundervolles, diese Erlebnisse gönne ich mir mit vollem Herzen. Danke, Edwin!

 

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